
Saisonale japanische Blumen und ihre Bedeutung
Japan, das eine gemäßigte Klimazone aufweist, hat seit der Antike eine aus China eingeführte Methode zur Einteilung der Jahreszeiten übernommen und verwendet weiterhin die „24 Sekki“, die das Jahr in 24 Abschnitte unterteilen, sowie die „72 Kou“, die diese wiederum in 72 Klimazonen gliedern. Dies deutet darauf hin, dass die Japaner seit jeher sehr sensibel auf Klima- und Wetterveränderungen reagieren.
Die japanischen Jahreszeiten lassen sich grob in vier plus eine unterteilen, wobei jede als Frühling, Sommer, Herbst, Winter und die dazwischenliegende Regenzeit „Tsuyu“ genossen wird. Durch die Dekoration mit Pflanzen und Blumen, die in den jeweiligen Jahreszeiten blühen, oder durch die Verwendung von Gegenständen mit diesen Motiven können wir ein einzigartiges japanisches Gefühl für die Jahreszeiten zum Ausdruck bringen.
In dieser Ausgabe stellen wir Ihnen in Japan saisonale Blumen und Pflanzen sowie ihre Bedeutung vor. Lassen Sie sich von ihnen für saisonale Dekorationen und Geschenkideen inspirieren.
Inhaltsverzeichnisse
Pflanzen für den Frühling: "Haru" März-April-Mai

Der Frühlingsbeginn ist für viele Japaner ein sehr erfreuliches Ereignis. Es ist eine Jahreszeit voller Freude, wenn die Sonne die Luft erwärmt, Blumen und Gräser, die unter dem Schnee geschlummert haben, zu sprießen beginnen und die Welt ihre Farbenpracht zurückerlangt.
Wenn Menschen Frühlingspflanzen in der Natur oder an Straßenecken sehen, huscht ihnen beim Anblick der blühenden Pflanzen ein Lächeln übers Gesicht. Besonders beliebt im Frühling sind Blumen in Pastellfarben wie Weiß, Pfirsich und dem zarten Grün junger Knospen, die uns ein warmes, frühlingshaftes Gefühl vermitteln.
Pflaumenblüte: Eleganz, Ehre, Geduld, Treue

Die Pflaumenblüte, die als Blume des Frühlingsanfangs gilt, blüht als erste Blume vor allen anderen, kurz bevor der Winter anbricht.
Die kleinen, anmutigen weißen Blütenblätter sind so bezaubernd, dass sie selbst Ihr vom harten Winter erfrorenes Herz erweichen können.
Es ist auch eine Blume, die Ihre wahren Gefühle für jemanden symbolisiert, den Sie lieben.
Kirschblüte: Ätherische Schönheit, Eleganz, Reinheit

Kirschblüten gelten als Nationalblume Japans. Sie sind die Symbolblume des Frühlings und eine der beliebtesten Blumen der Japaner.
Die Schönheit der Kirschblüte in voller Blüte, aber auch beim Verblühen, ist unbeschreiblich. Man sagt, die hellrosa Blütenblätter fielen wie tanzender Schnee und bedeckten Boden und Wasseroberfläche wie ein Teppich.
Die Kirschblüten haben eine kurze Zeitspanne zwischen Blüte und Verblühen, und ihre wunderschöne Blüte und ihr anmutiges Ende werden als Symbol japanischer Integrität verehrt.
Pfingstrose: Reichtum, Pracht, Würde, Schüchternheit

Die Pfingstrose gilt in Japan als Königin der hundert Blumen und symbolisiert eine edle Frau. Ihre seidigen, gefransten Blütenblätter stehen für Weiblichkeit, und ihre großen, vielschichtigen Blüten sind von prachtvoller Schönheit, was sie zur bevorzugten Blume adliger Frauen macht.
Iris: „Das Glück wendet sich immer von selbst.“

Die Japanische Schwertlilie „Kakitsubata“ war besonders während der Heian-Zeit eine beliebte Blume in Kunst und Kultur, unter anderem in der Waka-Dichtung und der japanischen Malerei. Sie wächst am Wasser und ist im Frühling und Sommer zu sehen.
In der „Manyoshu“, einer japanischen Gedichtsammlung aus dem 8. Jahrhundert, findet sich ein Waka über die sehnsüchtige Erwartung eines Geliebten, in dem die Iris vorkommt. Man sagt, der im Gedicht ausgedrückte Wunsch, dass das Glück gewiss kommen werde, wenn man nur warte, sei zur Blumensprache geworden.
Pflanzen für den Sommer „Natsu“: Juni, Juli, August

Der heiße und feuchte japanische Sommer ist zwar hart für die Menschen, aber gleichzeitig die aktivste Wachstumsperiode für Pflanzen und Blumen.
Farbenfrohe und leuchtende Blumen blühen, besonders beliebt sind jedoch solche mit einer kühlen, erfrischenden Ausstrahlung, vor allem solche in Weiß und kalten Farben. Japaner genießen es, Kühle auch visuell wahrzunehmen.
Zwischen Frühling und Sommer gibt es außerdem eine Regenzeit namens „Tsuyu“, und einige Blumen blühen nur in dieser Jahreszeit.
Hortensien: Familie, Gruppe, Harmonie, Fernweh

Die in Japan während der Regenzeit von Mai bis Juli zu bewundernde Hortensie ist eine beliebte Blume, die im Regen in leuchtenden, fast koketten Blau- und Rosatönen erblüht. Manche reisen sogar extra dorthin, um die Hortensien zu fotografieren, insbesondere während ihrer kurzen Blütezeit, die die beste Gelegenheit bietet, sie vor der eigentlichen Sommerhitze zu erleben.
Die Hortensie hat je nach ihrer Farbe auch eine unterschiedliche Blütensprache: Blau Rosa steht für „kaltherzig“, Rosa für „Energie“, Weiß für „Toleranz“ und Lila für „Geheimnis“.
Prunkwinde: Zuneigung, Verbundenheit, Einheit

Die Prunkwinde ist seit der Edo-Zeit (1603-1868) eine sehr beliebte Blume in der Kultur der Stadtbevölkerung.
Ursprünglich als Nebenerwerb für Samurai-Krieger (Militärklasse) angebaut, gelangten Prunkwinden in die Hände wohlhabender Kaufleute und wurden zu einer beliebten Blume in der ganzen Stadt Edo (dem heutigen Tokio).
Zu jener Zeit wurde die Vielfalt der Prunkwinden durch Mutationen verbessert, wodurch eine große Vielfalt an Farben und Formen entstand. Besonders beliebt ist die erfrischende blaue Prunkwinde, und auch die Nachtwinde (Mondblume) erfreut sich als Sommerblume großer Beliebtheit.
Lilie: Unschuld, Reinheit, Würde

Von den weltweit etwa einhundert Lilienarten wachsen fünfzehn wild in Japan. Selbst in Tokio kann man im Sommer in den Bergen abseits des Stadtzentrums Lilien entdecken.
Auch wilde Lilien haben große Blüten und einen sehr intensiven Duft, der sich im Wind weit verbreitet. Die Zwiebeln sind zudem essbar.
Lotus: Erlösung, Unschuld, Heiligkeit

Die Lotusblume gilt als Symbolblume des Buddhismus. Sie ist mit buddhistischen Lehren verbunden, wie etwa der Geschichte, dass beim Gehen Buddhas Lotusblätter sprossen, um seine Beine zu stützen, damit er nicht den Halt verlor, und dass „das Herz eines im Paradies Geborenen so schön ist wie eine Lotusblume“.
An einem sonnigen Sommertag sind die riesigen, rosa-weißen Blüten, die sich über das Wasser erheben, wahrhaft göttlich und prachtvoll.
Pflanzen für den Herbst „Aki“: September, Oktober, November

In Japan ist der Herbst eine beliebte Jahreszeit, um Kunst und Kultur zu genießen. Das Wetter wird angenehmer, und Aktivitäten wie Kulturveranstaltungen und Sport werden wieder häufiger angeboten. Es ist außerdem Erntezeit, und man kann eine Vielzahl an Speisen genießen.
Der Herbst ist außerdem für sein schönes Wetter und seinen wunderschönen Nachthimmel bekannt, und es ist Brauch, den Vollmond am klaren, wolkenlosen Nachthimmel zu bewundern.
Chrysantheme: Edel, ehrenwert

Die Chrysantheme ist die Nationalblume Japans und erfreut sich besonderer Beliebtheit als Symbol des Adels, das die kaiserliche Familie repräsentiert.
In der Gattung Chrysantheme gibt es verschiedene Arten von Blumen, von kleinen bis zu großen, wie Gänseblümchen und Tischtennis-Chrysanthemen, und zusammen mit Prunkwinden wurden während der Edo-Zeit (1603-1868) viele Züchtungsbemühungen unternommen.
Vor allem im September finden alte Veranstaltungen statt, bei denen Chrysanthemen die Hauptattraktion sind, und der Brauch, Sake mit darauf schwimmenden Chrysanthemenblüten zu verkosten, wird noch immer gepflegt.
Miscanthus: Lebendigkeit, Vitalität
In Japan werden, wenn im Herbst der Vollmond am klaren Nachthimmel erscheint, die „Jugoya“ (wörtlich „15. Nacht des Monats“) genannt wird, Miscanthus-Blätter mit Teigtaschen verziert und dem Mond geopfert.
Chinesische Glockenblume: Endlose Liebe, „die Rückkehr eines Freundes wird ersehnt“
Die Sprache der Blumen basiert auf einer Anekdote über eine Frau, die eine Glockenblume betrachtete, während sie auf ihren Geliebten wartete, bis zu ihrem letzten Atemzug.
Dianthus: Cherubisch, Reine Liebe, Talent

Die Nelke, in Japan als „Nadeshiko“ bekannt, wird seit der Antike verehrt und zählt aufgrund ihrer Schönheit zu den „Sieben Herbstpflanzen“. Sie hat zudem eine lange Tradition in der Waka-Dichtung, und das Manyoshu enthält 26 Gedichte über die Nelke.
Es ist außerdem bekannt, dass „Yamato Nadeshiko“, eine Metapher für die ideale japanische Frau, von den Eigenschaften der Nadeshiko abgeleitet ist. Der Begriff bezeichnet eine japanische Frau, die nicht nur äußerlich schön ist, sondern auch innere Schönheit und Stärke besitzt.
Pflanzen für den Winter „Fuyu“: Dezember, Januar, Februar

Ab Dezember hält in Japan der Winter Einzug, und die meisten Pflanzen gehen in die Winterruhe. In Japan, wo die meisten Bäume Laubbäume sind, wirken die Berge im Winter blass und die Landschaft mitunter etwas einsam.
Doch selbst bei solch rauer Kälte sprießen einige Pflanzen, Bäume und Blumen.
Japanischer Ahorn: Wertvolle Erinnerungen, Schöne Veränderungen, Zurückhaltend

Der Japanische Ahorn ist eine Pflanze mit charakteristisch geformten Blättern, die sich in Japan im Herbst und Winter rot färben. Es gibt viele Laubbäume, und die Blätter des Ahorns sind dort genauso beliebt wie die Kirschblüten im Frühling.
Vor allem die wunderschönen, feuerroten Blätter des Ahorns wirken anmutig und elegant und sind in Kombination mit der traditionellen japanischen Landschaft sehr beliebt.
Nandina: "Meine Liebe wächst nur"

In Japan, wo die Farbe Rot als Glücksfarbe geschätzt wird, sind die leuchtend roten Beeren der Nandina ein entzückender Gartenbaum, der als Glücksbringer dient.
Die roten Beeren ähneln sehr den Stechpalmenbeeren und werden in Japan hauptsächlich als Neujahrsdekoration verwendet, weniger zu Feiertagen. Der Kontrast ist wunderschön, wenn die Nandina wie bunte rote Punkte in einer verschneiten Landschaft wirkt.
Narzisse: Selbstliebe, Geheimnis, „Komm zurück zu mir“
Sie ist auch eine beliebte Blume bei der Teezeremonie, und wenn sie in einer Wasserschale arrangiert wird, kann sie ein wunderschönes Spiegelbild der Narzisse im Wasser erzeugen, so wie Narziss sein Spiegelbild auf der Wasseroberfläche bewunderte.
Kamelie: Bescheidenheit, Ätherizität, Ehre.

Die Kamelie wird auch „Frühlingsblume“ genannt, da sie am Ende des Winters blüht. Sie ist eine der typischsten Blumen Japans, und das Öl aus ihren Samen gilt als Geheimnis für schönes Haar japanischer Frauen.
Kamelien wurden häufig in den Residenzen von Samurai angepflanzt. Ursprünglich galten sie als heilige Pflanzen, da sie auch im Winter grün blieben. Kamelien, die mit ihren Blütenblättern abfielen, anstatt einfach umzufallen, wurden ebenfalls als „anmutig“ angesehen und von der Samurai-Gesellschaft sehr geschätzt.
Wer japanische Blumen kennt, kennt die japanische Kultur.
Die Kenntnis der Pflanzenwelt eines Landes bedeutet, dessen Kultur und Wertvorstellungen zu kennen. Japanische Pflanzen und Blumen werden seit Jahrtausenden geschätzt, und selbst wenn es sich um dieselben Blumen wie in anderen Ländern handelt, besitzen sie in Japan eine einzigartige Bedeutung und einen besonderen Wert.
Dies sind nur einige der hier vorgestellten Beispiele. Wenn Sie einen Artikel mit einem Blumen- oder Pflanzenmotiv finden bei Musubi KilnBitte schlage seine Bedeutung in Japan nach, um deine Liebe dafür zu vertiefen.






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