
Eine Zeitreise in Tokios ältestem Dagashi-Laden
Von Team MUSUBI
An einem sonnigen Februartag besuchte Team Musubi Kamikawaguchiya, ein dagashiya (Japanischer Penny-Süßwarenladen) eingebettet auf dem Gelände des Zoshigaya Kishibojin Schreins.
Dieser Laden blickt auf eine über 240-jährige Geschichte zurück und ist damit ein wahrer Schatz, der den nostalgischen Charme des alten Japans bewahrt. Die Schaufensterfront ist mit farbenfrohen Süßigkeiten geschmückt, und die warmen Holzregale tragen zur nostalgischen Atmosphäre bei. Es ist ein Ort, der Erinnerungen an die Kindheit weckt, als man mit seinem Taschengeld in der Hand sorgfältig die Leckereien auswählte.
Dieses Mal teilen wir den Charme, die Geschichte und die herzlichen Gedanken des Ladenbesitzers. Uchiyama MasayoDie
Inhaltsverzeichnis
Kamikawaguchiya: Ein Dagashiya seit der Edo-Zeit
Ein Geschäft mit 240-jähriger Tradition
Die Geschichte dieses Ladens reicht bis in die Edo-Zeit zurück. (1603–1868 n. Chr.), gegründet im Jahr 1781. Seit über 240 Jahren empfängt es Besucher in unveränderter Form und bildet eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart.
Auch heute noch gilt dieser Dagashi-Laden, der sich im Laufe der Zeit weiterentwickelt und dabei den Charme Edos bewahrt hat, als Tokios ältester Dagashi-Laden. Sein Erbe zeigt sich in dem verwitterten Ladenschild, einem stummen Zeugen jahrhundertelanger Geschichte.
Das Herzstück des Ladens ist der Inhaber in der 13. Generation, Uchiyama, der in einer Zeit aufwuchs, als Kinder bis zum Einbruch der Dunkelheit draußen spielten und oft auf dem Heimweg von der Schule vorbeischauten, um sich ihre Lieblingsleckereien auszusuchen. Anders als heute gab es keine Smartphones, und Kinder waren nicht mit endlosen außerschulischen Aktivitäten belastet.
„Der Laden sieht fast genauso aus wie damals“, sagt Uchiyama mit einem nostalgischen Lächeln. Früher war die Gegend um Kamikawaguchiya ein lebhafter Spielplatz, wo sich Kinder zum Plaudern und Süßigkeiten-Teilen trafen. Während moderne Gebäude die alten ersetzten und sich das Stadtbild veränderte, blieb dieser kleine Laden ein standhaftes Relikt aus einfacheren Zeiten.
Die sich wandelnden Zeiten
Dagashiya verschwinden.
„Da kann man nichts machen“, seufzt Uchiyama. „Es kommen immer weniger Kinder, um Dagashi, die Süßigkeiten für ein paar Cent, zu kaufen.“ Ihr Sohn hat überlegt, den Laden zu übernehmen, aber die Zukunft bleibt ungewiss.
„Früher standen die Kinder draußen Schlange, um Snacks zu kaufen. Aber diese Zeiten sind vorbei. Die sinkende Geburtenrate und die wachsende Zahl von Supermärkten und Lebensmittelgeschäften haben alles verändert.“
Sie erinnert sich daran, wie sie früher in das Großhandelsviertel von Nippori reiste und Waren in traditionellen Tüchern verpackt mitbrachte. furoshiki Stoffe. Heute werden Waren per Anruf direkt in den Laden geliefert. Selbst der Lebensmittelhandel hat sich verändert – Preise, die einst nur 10 Yen betrugen, sind auf über 100 Yen gestiegen.
Dennoch kommen Besucher oft herein und sagen: „Das weckt Erinnerungen.“ Besonders berührend sind die Momente, die von erwachsenen Kunden kommen, die nach vielen Jahren zurückkehren. „Als ich klein war, konnte ich mir das nicht leisten“, sagte eine Besucherin einmal. „Aber jetzt, als Erwachsene, kann ich es mir endlich leisten.“
„Dagashi ist mehr als nur eine Süßigkeit – es ist eine Brücke in die Vergangenheit, die mit jedem Bissen Kindheitserinnerungen weckt.“
Ein Geschäft, das mit der Welt verbunden ist
Trotz des Wandels der Zeit ist Kamikawaguchiya nach wie vor ein beliebtes Ausflugsziel, nicht nur für Einheimische, sondern auch für Besucher aus aller Welt. Das Geschäft wurde bereits in internationalen Medien vorgestellt, und ein Kunde reiste sogar einmal extra aus Taiwan an, nur um eine Katze zu sehen, die früher im Laden lebte.
„Ich spreche kein Englisch“, gibt Uchiyama zu, „aber irgendwie gelingt es uns, uns zu verständigen. Zu sehen, wie Menschen aus verschiedenen Ländern begeistert ihre Dagashi auswählen – das gibt mir das Gefühl, Freunde auf der ganzen Welt zu haben.“
Das Geschäft hat im Laufe der Jahre viele namhafte Besucher empfangen. Einige der berühmtesten Schauspielerinnen Japans drehten hier Filme und trugen so zu seiner traditionsreichen Geschichte bei. Zu den prominentesten Gästen zählte jedoch der jetzige Kaiser, der während seiner Schulzeit in Begleitung von Sicherheitskräften und Freunden vorbeischaute, um Süßigkeiten zu kaufen.
Viele Kunden gehören drei Generationen an. Ehemalige Stammkunden, die einst mit kleinem Taschengeld in den Händen dastanden, kommen nun mit ihren eigenen Kindern – und sogar Enkelkindern. Manche bringen ihre Babys mit, um Uchiyama kennenzulernen und legen sie ihr als Zeichen des Vertrauens und der Zuneigung in die Arme. „Der größte Schatz dieses Ladens sind die Beziehungen, die wir über die Jahre aufgebaut haben“, sagt sie. „Zu sehen, wie Kinder aufwachsen und dann mit ihren eigenen Familien wiederkommen – das ist wirklich etwas Besonderes.“
Der zeitlose Reiz von Dagashi
Die Regale von Kamikawaguchiya sind gefüllt mit über 100 verschiedenen Dagashi-Sorten, deren farbenfrohe Verpackungen sowohl Begeisterung als auch Nostalgie hervorrufen.
„Die Zeiten ändern sich, aber die Liebe der Kinder zu Dagashi bleibt“, sagt Uchiyama. „Süß, salzig, knusprig – die Freude liegt in der Auswahl.“
Auch ausländische Besucher haben ähnliche Vorlieben wie japanische Kunden. Zu den beliebtesten Artikeln gehören: kinako-bo (Sojamehl-Süßigkeiten), Fugashi (Weizengluten-Süßigkeiten), eingelegter Tintenfisch, konpeito (Zuckerbonbons), Ramune Limonadenbonbons, Mini-Donut-Sets und Karamellstangen.
Man kann sich diese Snacks vielleicht nicht so gut vorstellen, deshalb hier eine kurze Vorstellung einiger davon.
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Fugashi (Weizengluten-Snack): Leicht und knusprig mit einer zarten Zuckerglasur.
- Kinako Stange (Sojamehlbonbons): Ein zähes, leicht süßes Bonbon, das mit geröstetem Sojamehl überzogen ist und dadurch ein nussiges Aroma erhält.
- Junge Donuts: Kleine, ringförmige Donuts, die weich und leicht süß sind und sich ideal als schneller Snack eignen.
- Süßigkeitenbox: Eine lustige Auswahl an farbenfrohen, mundgerechten Bonbons mit knackiger Textur und verschiedenen fruchtigen Geschmacksrichtungen.
- Snack aus gepufftem Reis: Ein leichter, luftiger Puffreis-Genuss mit dezenter Süße, der sanft im Mund zergeht. Die Verpackung ist in Form einer Karotte gestaltet und weckt so witzige und nostalgische Gefühle.
- Karume Stange (Karamellzuckerstange): Ein knuspriger, luftiger Snack, der durch Karamellisieren von Zucker bei hohen Temperaturen hergestellt wird und eine leichte, aber dennoch reichhaltige Süße erzeugt.
- Großer Katsu: Ein knuspriger, panierter Fischsnack mit einer herzhaft-süßen Soße, der für einen befriedigenden Biss sorgt.
- Bonbons mit Zugband: Bonbons mit Limonaden- und Colageschmack. Die Spieler ziehen einen Faden aus einem Bündel, und das daran hängende Bonbon ist ihr Gewinn. Der Spaß liegt darin, nicht zu wissen, welche Geschmacksrichtung oder Größe das Bonbon haben wird!
- Ramune (Cola-Geschmack): Eine sprudelnde, sich auflösende Tablette mit erfrischendem Cola-Geschmack, inspiriert von Japans klassischem Erfrischungsgetränk.
Sollten Sie während Ihres Japanbesuchs auf diese Snacks stoßen, warum probieren Sie sie nicht einmal?
Ein Ort, der sich wie ein Zuhause anfühlt
„Es gab Zeiten, da habe ich überlegt, den Laden zu schließen“, gesteht Uchiyama. „Aber jedes Mal, wenn ich das Lächeln eines Kunden sehe, weiß ich, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe, weiterzumachen.“
Die Sommer in Kamikawaguchiya sind himmlisch, die Winter hingegen hart. Eine kleine Heizung wärmt den Raum kaum, und Uchiyama weigert sich, Handschuhe mit bedeckten Fingerspitzen zu tragen – „Ich könnte die Dagashi nicht richtig aufheben“, sagt sie. Ihre vom Frost geröteten Hände zeugen von den Opfern, die sie gebracht hat, um diesen Ort am Leben zu erhalten.
Doch Kamikawaguchiya bleibt unverändert und empfängt Besucher nach wie vor mit derselben Herzlichkeit. Die Freude, sich eine Leckerei auszusuchen, das aufregende Gefühl, sie in den Händen zu halten, und die damit einhergehenden Erinnerungen – das macht eine Dagashiya zu mehr als nur einem Süßwarenladen. Sie ist ein nostalgischer Zufluchtsort, ein Ort, an dem die Kindheit weiterlebt.
Am Ende unseres Besuchs überreicht uns Uchiyama eine kleine Tüte Dagashi. „Probieren Sie diese“, sagt sie freundlich. „Vielen Dank, dass Sie trotz der Kälte gekommen sind.“
Sobald wir in die Winterluft hinaustreten, zucken unsere Schultern instinktiv vor der Kälte zusammen. Doch innerlich spüren wir eine anhaltende Wärme – wie die tröstliche Gewissheit, dass manche Orte, egal wie sehr sich die Welt verändert, immer bestehen bleiben werden.
Und wir können nur hoffen, dass Kamikawaguchiya noch viele Jahre bestehen wird.
Kamikawaguchiya
15.03.20, Zoshigaya, Toshima-ku, Tokio






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